Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein. Johann Wolfgang von Goethe
Wenn wir an einen Baum denken, haben wir meist ein recht klares Bild vor Augen: Ein gerader Stamm, kräftige Äste, eine gleichmäßige Krone. Und dann begegnen wir einem Baum wie im Bild dieses Newsletters: Er neigt sich zur Seite, wächst trotz eines Fundaments mit wenig Halt und richtet sich irgendwie immer wieder neu zum Licht aus. Würden wir deshalb sagen, dieser Baum sei falsch gewachsen? Wahrscheinlich nicht.
Wir würdenuns fragen, welchen Bedingungen er ausgesetzt war: Woher kam der Wind? Wie war der Boden beschaffen? Wie viel Licht stand ihm zur Verfügung? Welche Hindernisse haben seinen Weg beeinflusst?
Bei Menschen, Teams und Organisationen ist es ähnlich. Auch hier haben wir Vorstellungen davon, wie etwas sein sollte: Wie eine gute Mitarbeiterin handelt, wie selbstständig ein Team arbeitet, wie zuverlässig Absprachen eingehalten werden oder wie eine Führungskraft ihre Aufgabe wahrnimmt. Diese Ansprüche sind wichtig. Sie geben Orientierung.
Schwierig wird es erst dann, wenn wir die Abweichung zwischen unserem Anspruch und der erlebten Wirklichkeit vorschnell als Defizit betrachten. Denn auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Teams und Organisationen entwickeln sich nicht unter Idealbedingungen. Sie reagieren auf Erfahrungen, Erwartungen, Freiräume und Grenzen. Auf Vertrauen und Klarheit - aber auch auf gewachsene Strukturen, Privilegien, Traditionen, Beziehungen, Zeitdruck und die Möglichkeiten, die ihnen tatsächlich zur Verfügung stehen.
Damit wird jede Abweichung interessant. - Nicht, weil wir sie einfach hinnehmen müssten. Sondern weil sie uns etwas erzählen kann über die Rahmenbedingungen, Wertewelten, etc.
Für Führungskräfte liegt hier das große Potential zur Personal- und Teamentwicklung. Statt nur zu fragen: „Warum funktioniert das nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe?“, können wir fragen: „Unter welchen Bedingungen ist das entstanden – und was braucht es, damit Entwicklung möglich wird?“
Gute Führung heißt dabei weder, jeden krummen Weg gutzuheißen, noch Ansprüche aufzugeben. Sie bedeutet, Orientierung zu geben und gleichzeitig neugierig auf die Wirklichkeit zu bleiben: Einerseits Erwartungen klar zu benennen, aber zugleich Verantwortung zu ermöglichen; einerseits notwendige Grenzen zu setzen, aber auch Vertrauen zu schenken.
Denn gute Führung zeigt sich auch gerade dort besonders deutlich, wo die Wirklichkeit nicht unserem Idealbild entspricht. Denn der Anspruch der Führungskraft gibt Richtung, und die Haltung entscheidet, wie wir mit der Wirklichkeit umgehen. So entstehen die Rahmenbedingungen, in denen Entwicklung möglich wird.
Was bedeutet das in der Praxis?
Und so ist jeder "Wildwuchs" nur ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen des Führungsalltags. Dieser kann sich manchmal ernüchternd oder gar frustierend anfühlen. Doch diese Momente bieten bei näherer Betrachtung oft wertvolle Hinweise für den nächsten Entwicklungsschritt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Wir begleiten Sie dabei gerne!
Kita-Leitungsqualifikation
Im Frühjahr 2027 beginnt die nächste Zertifikats-Fortbildung für Leitungen von Kindertageseinrichtungen nach IfP-Standard.
Anmeldungen und Rückfragen nehmen wir gerne entgegen unter: info@u-b-l.org
Hätten Sie gerne von Zeit zu Zeit jemanden, mit dem Sie eine aktuelle Situation reflektieren können? Der Ihnen eine unvoreingenommene Außenperspektive eröffnet? Dann lesen Sie hier mehr zu unserer „Beratungs-Flatrate“, über die Sie außerdem Nachlässe auf alle unserer Angebote erhalten, wie z.B. den jährlichen KiTa-Kongress oder Inhouse-Teamtage.
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Hans Grasser
Geschäftsführer
Supervisor/Coach (ISC), Berater und Coach für Führungskräfe mit umfassender Erfahrung in der Organisationsentwicklung, Change-Management, Projektmanagement und Prozessmanagement.
Nebenberuflich Verwaltungsleiter und Dozent für Finanzmanagement.
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Laura Hölzlwimmer, M.A.
Geschäftsführerin
Supervisorin/Coach (ISC), Verwaltungsleiterin eines Verbunds mehrerer Kindertageseinrichtungen. Nach ihrem Studienabschluss (Geschichte, Interkulturelle Kommunikation und Slavistik) arbeitete sie im Wissenschaftsmanagement an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2020 ist sie Dozentin und Beraterin für Führungskräfte im Bildungsbereich.