Impuls 07/2026 - Führung beginnt dort, wo die Wirklichkeit vom Ideal abweicht

Impuls 07/2026 - Führung beginnt dort, wo die Wirklichkeit vom Ideal abweicht
Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein. Johann Wolfgang von Goethe

Wie gehen wir damit um, wenn Entwicklung im Team, oder einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anders verläuft, als wir es erwartet haben?

Wenn wir an einen Baum denken, haben wir meist ein recht klares Bild vor Augen: Ein gerader Stamm, kräftige Äste, eine gleichmäßige Krone. Und dann begegnen wir einem Baum wie im Bild dieses Impulsletters, der ganz anders gewachsen ist. Er neigt sich zur Seite, wächst trotz eines Fundaments mit wenig Halt und richtet sich irgendwie immer wieder wieder neu zum Licht aus. Würden wir deshalb sagen, dieser Baum sei falsch gewachsen? Wahrscheinlich nicht.

Wir würden vielleicht genauer hinsehen. Uns fragen, welchen Bedingungen er ausgesetzt ist. Woher der Wind kam. Wie viel Licht ihm zur Verfügung stand. Wie der Boden beschaffen ist oder welches Hindernis seinen ursprünglich geraden Weg verändert hat. - Der Baum hat sich unter den Bedingungen entwickelt, die er vorgefunden hat.

Bei Menschen, Teams und Organisationen, verhält es sich ähnlich. Auch hier haben wir Vorstellungen davon, wie etwas sein sollte: Wie eine gute Mitarbeiterin handelt, wie selbstständig ein Team arbeitet, wie zuverlässig Absprachen eingehalten werden oder wie eine Führungskraft ihre Aufgabe wahrnimmt. Diese Ansprüche sind wichtig. Sie geben Orientierung und helfen uns, Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Schwierig wird es erst dann, wenn wir die Abweichung zwischen unserem Anspruch und der erlebten Wirklichkeit vorschnell als Defizit betrachten. Denn auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Teams und Organisationen entwickeln sich nicht unter Idealbedingungen.

Sie reagieren auf Erfahrungen, Erwartungen, Freiräume und Grenzen. Auf Vertrauen oder fehlendes Vertrauen. Auf Klarheit oder Unklarheit. Auf Strukturen, Privilegien, Traditionen, Beziehungen, Zeitdruck und die Möglichkeiten, die ihnen tatsächlich zur Verfügung stehen.

Damit wird jede Abweichung interessant. - Nicht, weil wir sie einfach hinnehmen müssten. Sondern weil sie uns etwas erzählen kann über die Rahmenbedingungen, Wertewelten, etc.

Für Führungskräfte liegt hier das große Potential zur Personal- und Teamentwicklung, wenn es gelingt, den eigenen Blick zu erweitern. Wenn wir nicht nur zu fragen: „Warum funktioniert das nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe?“ - Sondern auch: „Unter welchen Bedingungen ist das entstanden – und was braucht es, damit Entwicklung möglich wird?“

Gute Führung heißt dabei weder, jeden krummen Weg gutzuheißen, noch Ansprüche aufzugeben.

Sie bedeutet vielmehr, Orientierung zu geben und gleichzeitig neugierig auf die Wirklichkeit zu bleiben. Klar zu benennen, was wichtig ist. Verantwortung zu ermöglichen. Grenzen zu setzen, wo sie notwendig sind. Vertrauen zu schenken, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Herausforderungen wachsen können. Und die eigenen Erwartungen immer wieder daraufhin zu überprüfen, ob sie tatsächlich hilfreich und nachvollziehbar sind.

Denn gute Führung zeigt sich vielleicht gerade dort besonders deutlich, wo die Wirklichkeit nicht unserem Idealbild entspricht.

Anspruch gibt Richtung. Haltung entscheidet, wie wir mit der Wirklichkeit umgehen. Und die Rahmenbedingungen entscheiden mit darüber, welche Entwicklung möglich wird.

Was bedeutet das in der Praxis?

  • Erst verstehen, dann bewerten: Was hat dazu geführt, dass sich etwas so entwickelt hat?
  • Erwartungen sichtbar machen: Ist wirklich klar, was ich erwarte – oder setze ich zu viel voraus?
  • Rahmenbedingungen hinterfragen: Unterstützt das Umfeld die Entwicklung, die ich mir wünsche?
  • Entwicklung ermöglichen: Wo kann ich mehr Verantwortung geben, ohne Klarheit und Orientierung zu verlieren?
  • Die eigene Haltung prüfen: Wie reagiere ich, wenn Menschen oder Situationen von meinen Vorstellungen abweichen?

Eines von vielen Beispielen, für den herausfordernden Führungsalltag, dieser kann sich manchesmal ernüchtern oder gar frustierend anfühlen. Doch diese Momente bieten bei näherer Betrachtung oft wertvolle Hinweise für den nächsten Entwicklungsschritt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wir begleiten Sie dabei gerne!


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Herzliche Grüße

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Hans Grasser
Geschäftsführer

Berater und Führungskräfte-Coach mit umfassender Erfahrung in der Organisationsentwicklung, Change-Management, Projektmanagement und Prozessmanagement.
Nebenberuflich Verwaltungsleiter und Dozent für Finanzmanagement.


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Laura Hölzlwimmer, M.A.
Geschäftsführerin

Verwaltungsleiterin eines Verbunds mehrerer Kindertageseinrichtungen. Nach ihrem Studienabschluss (Geschichte, Interkulturelle Kommunikation und Slavistik) arbeitete sie im Wissenschaftsmanagement an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2020 ist sie Dozentin und Beraterin für Führungskräfte im Bildungsbereich. 


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